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Ein 24-Stunden Schichtdienst ist für viele Ärzte nichts Ungewöhnliches. Am Morgen die Visite, dann die Vorbereitung für die nächsten Operationen, danach wieder auf Station Patienten behandeln. Ohne Stress geht es nicht. Zwischendurch immer wieder Notfälle, die behandelt werden müssen und das alles bei voller Konzentration, absoluter Leistungsstärke und ohne einen Fehler zu machen.

Stress im Kreißsaal

Eine junge Frau wird eingeliefert, sie hat starke Schmerzen, völlig normal, denn sie erwartet ein Baby. Der Arzt erkennt sofort, dass der Wehenschmerz in der Endphase liegt, das Baby will raus, aber der Muttermund öffnet sich nicht. Es ist das dritte Kind der werdenden Mutter, bislang verliefen alle Schwangerschaften problemlos. Diese ist anders und der Arzt entscheidet spontan einen Kaiserschnitt vorzunehmen. Nur 15 Minuten später liegt die Frau auf dem OP-Tisch. Der Count Down hat begonnen. Die Mutter ist beängstigt, bekommt alles mit, weil lediglich der Unterleib durch eine PDA betäubt ist. Ärzte und Schwestern sorgen sich rührend um die Patientin. Weitere zwei Minuten später ist das Baby geboren, wohlauf und gesund. Eigentlich hätte der Arzt längst Feierabend, doch acht Stunden später steht er am Krankenbett der frisch gebackenen Mutter und fühlt ihren Puls. „Ja, manchmal ist hier der Teufel los“, erklärt er der staunenden Mutter, „dann kann man nicht einfach Feierabend machen. Besser noch dem Baby sagen, es soll doch bitte erst zur nächsten Schicht kommen. “Der Arzt lacht, trotz Stress und Müdigkeit und verlässt den Raum, um zur nächsten Patientin zu gehen.

Ohne Stress geht es nicht

Es ist keine Seltenheit, wenn besonders junge Ärzte derartigen Stress durchleben. Allerdings ist daran zu denken, dass es sich um positiven Stress handelt, denn negativer Stress geht an die Substanz. Dabei muss kritisch hinterfragt werden, in wie weit dieser Stress eigentlich zumutbar ist. Denn er darf auf keinen Fall zu Lasten des Patienten gehen. Was ist wenn es zu Komplikationen kommt, ist dann der Arzt immer noch in der Lage die richtige Entscheidung zu treffen, wenn er bereits 14 Stunden am Stück unter Stress gestanden hat. Wichtig ist auch der Schlaf. Bereitschaftsdienst bedeutet in Kleidung ein Nickerchen zu machen, denn es könnte jeder Zeit der Pieper einen Notfall signalisieren. Manche Ärzte sehen das nicht so schlimm und sagen dass sie es gewohnt sind. Aber wie lange kann das gut gehen?

Stress legt Emotionen frei

Ab wann muss der Kopf ausgeschaltet werden, wenn der Patient nicht mehr zu retten ist? Wie lange können Emotionen steif gebügelt werden? Auch das ist eine Frage, die der Patient sich nicht stellt. Er möchte lediglich, dass im geholfen wird. Wie viel Stress bereits hinter dem Arzt liegt, ist nicht zu erkennen. Er ist vielmehr bemüht sich bei jedem Patienten neu zu finden, freundlich zu sein, sachlich und kompetent auf ihn zu wirken. Schließlich will jeder individuell behandelt sein. Während der Arzt bereits den dritten Kaiserschnitt, 6 Spontangeburten und eine Tumoroperation hinter sich gebracht hat, sind seit Schichtbeginn 18 Stunden vergangen. „Jetzt wird es Zeit für ein kleines Frühstück und dann eine Runde Schlaf”, sagt er zu seinen Kollegen und hofft dabei auf die baldige Ablösung.

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